Schon vier Tage und Nächte dröhnten die Hammerschläge aus der Schmiedehöhle im schneebedecktem Berg, hinab zu den meist verfallen Hütten, in denen der Stamm der Rotklauen einst Zuhause war. Und trotz der vielen hundert Schritte schwangen die Kraft der Ogerarme und die Energie seines unbändigen Willens mit in dem hellen Ton, den die unablässigen Schläge auf den stählernen Amboss erzeugten. Dann folgten wieder einige Atemzüge der Ruhe, in denen Tangarth seine neue Schöpfung, eine mächtige Streitaxt aus Steineisen, in das eisige Wasser eines Baches im Herzen des Berges tauchte. Und wieder, so zuverlässig wie der Aufgang der Sonne am Morgen eines neuen Tages, erklang der Schlag des Schmiedehammers.
Margali besuchte den Schmied in seiner Höhle, die nur vom See aus erreichbar war. Viele Schritte ging es hinein in den Berg, bis sie ihn an dem Amboss fand, dessen vibrierende Töne bis zu den Hütten drangen. Brütend heiß strahlte die Glut der Esse ihr entgegen. Die Hitze dieses Feuers konnte nur durch einen besonderen Brennstoff erreicht werden, der der Steinkohle hinzugefügt wurde.
Das Bild des Hammer schwingenden Hünen brannte sich ein in das Gedächtnis der Heilerin. Wie er dort stand, der Glut der Esse ausgesetzt, geschützt nur durch eine dicke, lederne Schürze. Mit der rechten Hand schwang er einen Hammer, den zu tragen Margali mit beiden Händen schwergefallen wäre. Und in der Linken hielt er eine eiserne Zange, mit der er den glühenden Stahl auf dem Amboss festhielt. Mit unglaublicher Wucht – und dennoch fein abgestimmter Kraft - schlug der Hammer auf das Blatt aus Steineisen, das einmal eine Streitaxt werden sollte. Glühende Funken stoben in alle Richtungen auseinander und hüllten den Schmiedenden in einen feurigen Regen. Der schrille Klang des Ambosses, den der Schlag des Hammers, Stahl auf Stahl, erzeugte, schmerzte in den Ohren der Heilerin, und bei jedem neuen Schlag zuckte sie zusammen.
Es war gespenstisch anzusehen, wie der Hüne, durch das glühende Feuer der Esse und die fliegenden Funken in rotes Licht getaucht, vor dem dunklen Hintergrund der Höhle stand und unablässig auf das vor Hitze strahlende Metall im Maul der Zange schlug. Wut und Trauer glühten aus den geröteten Augen, und grimmig bleckte er seine wölfischen Hauer zwischen den rissigen Lippen. Dicke Schweißperlen rannen ihm über Gesicht und Körper und spiegelten in sich die Glut. Es stank nach Rauch und Schweiß, und Margalis feine Nase nahm den Geruch von verbranntem Fleisch wahr. Die Lederkappe, die Tangarth bei seiner Arbeit auf dem Kopf trug schützte seine blanke Kopfhaut vor den fliegenden Funken, und der Schweiß auf seinen Gliedern löschte viele aus, bevor sie Schaden anrichten konnten. Aber immer wieder fanden glühende Geißeln ihren Weg, vorbei an dem ledernen Schutz und brannten sich in seine Haut. Viele Narben würde dieses Werk in seinem Fleisch hinterlassen haben, bevor er es vollendet hatte, doch er würde sie mit Stolz tragen.
Förmlich spüren konnte sie den unbändigen Willen des Mannes, aus dem rohen Erz des Berges etwas Neues zu erschaffen, dem Steineisen in seinen Händen Form und Stärke zu geben. Etwas zu schaffen, das ihn überdauern würde und das er weitergeben konnte an die Welt. Etwas, das noch da war, wenn er selbst nicht mehr war. Es war der Wunsch, teilzuhaben an der Schöpfung, über seinen Tod hinaus.
Zischend und dampfend brodelte das Wasser, als Tangarth das Blatt seiner Axt in das kalte Nass tauchte. Prüfend hielt er es anschließend hoch und begutachtete den immer noch heißen Stahl.
Auch Margali betrachtete die Schöpfung des Waffenmeisters Aquas. Für sie war es unvorstellbar, wie jemand mit einer derartig schweren Waffe kämpfen konnte, aber sie kannte seine Kraft und war wieder einmal froh, ihn zum Freund zu haben.
Wie in Trance hob dieser den Hammer und schlug zu. Wieder erzitterten die Wände von dem lauten Klang, und Margali zuckte erneut zusammen.
Wortlos stellte sie ein Fässchen mit Gerstenbräu und Lebensmittel auf den Boden. Das Essen hätte sie sich sparen können. Tangarth hatte seit Tagen kaum Nahrung zu sich genommen. Es fehlte wenig von dem, was sie in den vorangegangenen Tagen gebracht hatte. Nur das Fass mit dem würzigen Getränk war wieder leer. Immer nur das kalte Wasser des Berges trinken, das war sicherlich nichts für diesen Mann.
Hastig, fast fluchtartig, verließ Margali die dunkle, laute Höhle und atmete erleichtert auf als sie ins Freie trat, wo Birk am Ufer mit dem Boot auf sie wartete.

Einen Tag später hob Tangarth in der Höhle mit einem zufriedenen Grunzen den wohlgeformten Steinstahl und begutachtet mit leuchtenden Augen das noch heiße Axtblatt. Prüfend fuhr er mit einem Schleifstein über die scharfe Klinge. Es war gut geworden.
Ein wölfisches Grinsen erhellte sein rußgeschwärztes Gesicht, als er an den kommenden Feldzug dachte - und an die Feinde Terras!