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Thema: Tod eines Kämpfers

  1. #1
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    Standard Tod eines Kämpfers

    Vorstellung von Toppel aus 2012.

    Grüße Euch, Kinder Terras.

    Ich werde Toppel Dundran genannt.
    Als einfacher Bauer habe ich auf der Horst der Alten Maren Jahrzehnte Terra gedient, ihre Gärten und Felder bestellt und gepflegt. Und als Lohn schenkte Terra meinen Kindern, ihrer Mutter und mir alles, was der Leib braucht.

    Nun sind meine Kinder groß, - und bestellen ihre Felder. Meine Arbeit ist getan.
    Weit über 50 Sommer schweifte mein Blick über meine Felder zum Horizont, aber am Ende des Ackers musste ich kehrt machen. Jedes Mal.

    Doch die Sehnsucht blieb.
    Die Frage: was ist hinter dem Horizont?
    Welche Völker leben dort?
    Welche Geschichten erzählen sie an den Feuern?
    Welche Götter beten sie an?

    Meine Arbeit ist getan. Nun, solange meine alten Glieder noch die Kraft haben, die ihnen aus dem Acker erwachsen ist, solange mir Zeit gegebenen ist, möchte ich neue Wege beschreiten, Terra zu dienen.

    Ich möchte mich wieder dem Lager Terras anschließen. Die Geschichten an den Feuern hören, und von den gehörten Geschichten erzählen. Um die Völker besser zu verstehen, und auch andere verstehen zu lassen. Denn nur so können wir miteinander sein.

    So verschieden hat Terra das Leben geformt, und erhält es in seiner Verschiedenheit.
    Und so soll es erhalten bleiben.

    Doch sollte jemand sich erhaben fühlen, - über andere Völker Terras, andere Rassen oder einen dummen Bauern, - sich anmaßen, anderen die Freiheit oder das Leben nehmen zu können, - wird mein Arm dazwischen sein.
    Und auch wenn es ein alter Arm ist, ihn beiseite zu schieben, wird seinen Preis haben …
    Geändert von Toppel (20.01.2016 um 21:41 Uhr)
    Wer im Dunkeln schießt, trifft immer ins Schwarze!
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  2. #2
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    Standard

    Ehrlos

    Rückzug!

    „Wo steht mein Banner?“ denkt der Kämpfer.
    Noch steht das blaue Banner, flattert frech im Wind inmitten des feindlichen Sturms.
    Doch es ist weit abgeschlagen, hinter den Linien des Banners der Einheit, eingeschlossen vom stinkenden Untod.
    Der Kämpfer erkennt Kaela, die nordische Anführerin des blauen Banners, umgeben von ein paar letzten Getreuen. Welle um Welle brandet Untod an die Schilde – und wird niedergemäht.
    Ein derber Fluch presst sich durch die Lippen des Kämpfers.
    Er hätte dabei sein sollen.
    Er hätte sich nicht abdrängen lassen sollen.
    Er hätte unter seinem Banner stehen sollen.
    Jetzt.

    Aber ein Meer von Untod trennt ihn vom Banner. Er kann nicht helfen.
    Dann sieht er Kaela zu Boden gehen.
    Ist dies das Ende des blauen Banners?

    „Mit dir will ich kämpfen“, krächst eine hohle, untote Stimme dem Kämpfer eine Herausforderung entgegen.
    Das blaue Banner versinkt in den untoten Fluten. Ob es je wieder aufstehen wird?

    Der Kämpfer wendet den Blick, hin zur Quelle der Herausforderung.
    Eine untote, weibliche Fratze tritt aus einer Gruppe von Untoten hervor und blickt ihm höhnisch entgegen. Kleiner als er, schwächer, aber mit einem irren Blick in den glühenden Augen. Das zerfetzte Lumpengewand lässt zahlreiche offene und faulige Stellen in ihrem Fleisch unverhüllt. In der kochigen Hand hält sie ein kurzes Schwert.
    „Wenn du meinst“, erwidert der Kämpfer. Er ist nicht hier, um sich vor einem Kampf zu drücken.

    Der Kämpfer mustert die untote Gestalt. Ein junge Frau muss sie gewesen sein, bevor der Untod sie wandelte. Hinter den fauligen Hautfetzen und den offen Wunden steckte sicher mal ein hübsches Gesicht. Aber davon war nicht mehr viel übrig.
    Er würde sie von ihrem untoten Schicksal erlösen.

    Der Kämpfer hebt sein Schwert und tritt ihr entgegen. Lässt ihr den ersten Schlag.
    Mit einem gellenden Aufschrei springt sie vor, hebt ihr rostiges Schwert und schwingt es mit unerwarteter Kraft und Schnelligkeit zu seiner Seite.
    Der Hartholzstab in der linken Hand des Kämpfers fängt den Schlag der stumpfen Klinge. Zur gleichen Zeit fährt sein Schwert in der Rechten herab und trifft den Schwertarm der Untoten.
    Mit einem zornigen Schrei springt sie zurück und hält sich die klaffende Wunde. Aber es ist nur ein weiterer, schwarz und ölig nässender Riss in ihrem untoten Fleisch. Kein reinigendes Blut fließt in diesen Gliedern.
    Wütend schwingt sie ihren Stahl erneut. Der Kämpfer weicht aus und lächelt leise. Wieder und wieder hebt sie die Waffe, aber die schmutzige Klinge findet keine Lücke. Diese Kreatur wird ihn nicht besiegen.
    Schlag um Schlag lässt der Kämpfer kommen, pariert oder weicht aus. Kein Hieb kommt durch. Aber ihr Arm wird langsamer, schwächer.
    Nun geht der Kämpfer einen Schritt vor und hebt seinen Stahl für einen Schlag zum Hals. Der untote Arm hebt sich und führt die Waffe zur Abwehr hoch.
    Aber das Schwert des Kämpfers zieht nach unten daran vorbei und beißt sich tief in den untoten Oberschenkel.
    Ein Schmerzensschrei fährt aus den fauligen Lippen. Humpelnd zieht sich die Angreiferin einen Schritt zurück. Unsicherheit flackert in den wütend funkelnden Augen.

    Schmerz!
    Als gleißendes Brennen schlägt Stahl in seinen Rücken. Schneidet durch Haut und Fleisch, und zersplittert Knochen.
    Von der Wucht des Schlages sinkt der Kämpfer mit einem lauten Aufschrei nach vorn in die Knie.
    Ein weiterer Schlag. Eine Axt trifft seinen Waffenarm und prellt sein Schwert aus der Hand.

    Er hat nicht auf seinen Rücken geachtet. Wie dumm.

    Kniend dreht sich der Kämpfer um, gerade noch rechtzeitig um die genagelte Keule eines dritten Angreifers abzuwehren.
    „Wir haben einen Zweikampf ausgemacht“, schreit er die hinterhältigen Angreifer an. Drei untote Lumpengestalten umkreisen ihn.
    „Na und?“, blökt ihm einer entgegen. „Nicht mit uns.“
    Alle drei heben ihre Waffen und schlagen gleichzeitig zu. Nur einen Hieb kann der Kämpfer abwehren, denn auf Knien ist er fast wehrlos. Keule und Stahl schlagen auf ihn ein, beißen sich in sein Fleisch und brechen seine Knochen. Mit einem Schmerzensschrei geht der Kämpfer zu Boden.
    Sein rechter Arm ist taub, die Muskeln zerfetzt. Gebrochene Rippen stechen in seine Lungen und lassen jeden seiner hastigen Atemzüge in einer Woge aus Schmerz erstarren.
    Auf dem Rücken liegend, hebt der Kämpfer seinen treuen Stab, zum letzten Widerstand.
    „Habt ihr denn keine Ehre im Leib?“, spuckt er den untoten Angreifern ungläubig entgegen.
    Grinsend stehen die drei um den am Boden liegenden Kämpfer.
    „Nicht in diesem Land.“ sagt einer und hebt seine Axt. „Das hier ist unsere Heimat. Und ihr seid hier eingedrungen.“
    Die Axt fährt nieder, aber der gute Stab fängt sie am Stiel. Ein letztes Mal.
    Dann fahren Keule und Schwert der anderen Untoten auf den Kämpfer herab und reißen den letzten Widerstand nieder. Der Stab fällt zu Boden.
    Eine untote Fratze kniet sich herab und schaut den Kämpfer an.
    „Du hättest da*heim*blei*ben bleiben sollen!“ höhnt er mit verächtlicher Stimme - und zieh die Schneide seiner Axt über die Kehle des Kämpfers...

    Dunkelheit.

    „Hhhhhhhhhhhhhh“.
    Atem füllt die brennenden Lungen und mischt sich leise mit dem Gurgeln des Blutes darin.

    „Chchchchchchchchchch“.
    Und in blutigen Blasen verlässt er die halb geöffneten Lippen.
    Mühsam öffnet der Kämpfer die verklebten Augen.
    Schemen und Gestalten huschen an ihm vorbei, beachten nicht den am Boden Liegenden. Der Untod flutet das Schlachtfeld und spült die Lebenden hinweg.

    „Bummmmmm, Buuummmmm“, pocht das erschrockene Herz, pumpt panisch den Lebenssaft durch die Adern – und aus den Wunden in den Sand des Feldes.

    So soll es also enden, denkt der Kämpfer.
    Vielleicht hätte er doch auf seinen jüngeren Bruder hören sollen, Birk, den Baumfäller.

    „Was willst du in der Spiegelwelt?“, hatte der gefragt. „Lass sie den Verfemten und siedle auf Mythodea. Ehre Terra, indem du dort den Boden bestellst.“
    Aber er hatte nicht hören wollen. Terras Avatar hatte ihn in die Spiegelwelt gerufen. Er war dem Ruf gefolgt. Und dort würde sein Leib nun mit dem Sand des Schlachtfeldes verschmelzen.

    „Hhhhhhhhhhhhh, Chchchchchchchchch“.

    Sein Atem wird flacher. Die Lungen füllen sich mit Blut. Er würde die Seinen nicht wiedersehen.
    Josephus, sein Gefährte im Kampf gegen die Verfehmten, würde ihn suchen – aber nicht finden. Seine Schlafstelle im Freien Lagerbund bleibt nun leer. Die Gedanken des Kämpfers weilen eine Weile bei den Lagergefährten. Jedes einzelne Gesicht erscheint vor seinen Augen. Gute Gefährten, treu im Kampf für Terra.

    „Bummmmmm, Buuummmmm“, dröhnt sein Herzschlag in den Ohren, während ein warmes Rinnsal daraus nach draußen kriecht.
    Sein Geist schwebt weiter zurück, in seine alte Heimat. Zu seinen alten Feldern, zu Haus und Hof. Zu seinen Kindern, die nun dort seine Felder als die ihren bestellen, und mit Terras Segen fruchtbar sein würden. Auch sie wird er nicht wiedersehen.
    Aber er hatte ihnen alles gegeben was nötig war, einen eigenen Weg zu finden. Sie brauchten ihn nicht mehr. Nur deshalb hatte er von dort fortgehen können.

    „Hhhhhhhhhhh, Chchchchchchch“.
    Das Gesicht ihrer Mutter erscheint vor seinem geistigen Auge. Vor Jahren schon war sie in Terras Schoß zurückgekehrt. Nun würde er ihr folgen.

    „Bummmmmm, Buuummmmm“.
    Vielleicht hätte er noch einige Jahre gehabt, wenn er auf Birk's Rat gehört hätte. Aber was hätte ihn dann erwartet?
    Noch war Kraft in seinen Armen gewesen. Und auch wenn sie alt waren, die Verfemten hatten in diesem Feldzug einen hohen Preis dafür gezahlt, bis sie sie letztlich beiseite schieben konnten.

    „Hhhhhhhhh, Chchchchchch“.
    Nein, es war gut so. Er hatte so viele Dinge gesehen. So viele Freunde und Gefährten gefunden.
    Es hätte nicht anders sein sollen. Er würde gehen, bevor seine Arme zu schwach waren um den Respekt seiner Gegner zu erzwingen. Und das war gut so.

    „Bummmmmm, Buuummmmm“.
    Hoch am Himmel steht die Sonne und brennt in seine offenen Augen, während die Schemen und Gestalten um ihn herum langsam verblassen.
    Der Schmerz lässt nun nach, in seinem Rücken, seiner Schulter, in seinem Bauch und in seiner Lunge. Und an seinem Hals.
    Ehrloser Untod.
    Immer noch fließt ein warmer Strom daraus hervor. Stoßweise, mit jedem Herzschlag. Bis eine große Lache den Sand unter ihm bedeckt. Warm und klebrig.

    „Bumm, Bumm, Bumm“, schreckt sein Herz auf. Hektisch versucht es, den fehlenden Lebenssaft
    weiter durch die Adern zu treiben. Vergebens.

    „Bumm, Bumm, Bumm“.
    Alles Schlagen hilft nun nicht mehr.
    Die Unruhe greift vom panisch schlagenden Herzen auf den Geist des Kämpfer über.

    Angst erfüllt ihn.
    „Hhhhhhh, Chchchch“.

    Was würde nun kommen?
    Was hatte er falsch gemacht?
    Würde Terra ihn erwarten?
    Seine Vorfahren?
    Seine Gefährtin und Mutter seiner Kinder?

    „Bumm, Bumm, Bumm“.
    Die Lungen füllen sich weiter mit seinem Blut. Und mit jedem Atemzug quillt der klebrige Schaum aus dem Mundwinkel. Aus dem immer kürzer werdenden Atmen wird ein stoßartiges Röcheln.

    „Hhh, Chch. Hhh, Chch“.
    „Bumm, Bumm, Bumm“.

    Ja, er hatte Fehler gemacht. Sicher.
    Aber er hatte auch daraus gelernt.
    Und versucht, es besser zu machen.
    Nein, er musste nicht viel bereuen.

    „Hh....“
    Seine Lungen versagen. Ersticken im eigenen Blut.

    Er hatte ein gutes Leben gehabt.
    Er hatte alle seine Kinder aufwachsen sehen.
    Und so viele Dinge in der Welt.
    Nein, es war alles gut gewesen.

    „Bummmmmm, Buuummmmm“.
    Eine tiefe Ruhe ergreift den Kämpfer.
    Die Schemen um ihn herum versinken in einem schwarzen Nebel. Nur die Sonne in der Mitte seines Blicks bleibt hell. Warum wird sie kleiner? Ist das - die Sonne - dieses Licht?

    „Bummmmmm, Buuummmmm“.
    Seine Kinder waren so klein gewesen.
    Er sieht sie wieder in der Wiege liegen.
    Es sieht das Gesicht seiner Eltern.
    Seine kleine Hand in der seines Vaters.
    Das Gesicht seiner Mutter, die sich lächelnd über ihn beugt.
    Und dann dieses Licht. Ist das - die Sonne?

    „Bummm, Buuum“.
    Es war Zeit, zu gehen. Platz zu machen in dieser Welt. Platz, der seinen Kindern und der Kinder Kinder zustand. So wie jede Generation Platz machen musste, damit sich das Leben erneuern kann.

    „Bu...........“.

    Viva Terra.
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  3. #3
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    Standard

    Der Geist des Kämpfers schaut über die Ebene. Er sieht – nicht so, wie Augen sehen – über das zertrampelte Feld, sieht die zerschundenen Leiber gefallener Gefährten. Er weiß, er müsste sie kennen – aber die verzerrten Gesichter bleiben ihm fremd.

    Hier und da erkennt er noch eine Bewegung, einen letzten Herzschlag - oder einen letzten Atemstoß.

    Dann erhebt sich ein wabernder Schatten aus einem der leblosen Körper, und wie ein formloses Gesicht blickt sich der Schatten um. Als suche er etwas.

    Wie ein starker Sog zieh etwas an dem Schatten, droht ihn fortzureißen, wohin auch immer. Der suchende Blick des Schattens wird verzweifelter, als suchte er etwas, an dem er Halt finden könnte. Doch dann wird er fortgerissen, mit einem verzweifelten, stummen Schrei auf den formlosen Lippen...

    Der Geist des Kämpfers spürt den Sog. Etwas zerrt an ihm. Will ihn mit sich reißen. Eine große Macht in dieser Spiegelwelt fordert seine Seele ein.

    Da fällt sein Blick auf etwas, das auf dem Schlachtfeld liegt.
    Wiedererkennen.
    Schweiß und Blut klebt daran. Sein Schweiß und sein Blut.
    Es ist sein Hut, gefertigt aus Pflanzen, die Terra wachsen ließ.
    Die fremde Macht zerrt stärker an seiner Seele.

    Aber der Kämpfer hat einen Halt gefunden, in dieser fremden Welt.
    Etwas, das Terra hat wachsen lassen und das getränkt ist mit seinem Schweiß und Blut.
    Und die Seele des Kämpfers klammert sich daran, so stark, dass die fremde Macht sie nicht so einfach an sich ziehen kann.

    Der Kämpfer weiß nicht, wie lange er noch standhalten kann gegen diese alles durchdringende Macht.
    Aber er gibt nicht auf und kämpft um seine Seele.
    Und hofft auf Rettung ...
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