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Thema: Auf dem Weg zur Weltenschmiede

  1. #11
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    Immer noch verdutzt schaute Kaela dem Boten hinterher. Sein Verhalten hatte sehr darauf schließen lassen, dass er wohl dachte, dies hier wäre ihre Festung oder zumindest würde sie hier wohnen. Dabei war sie doch nur zu Besuch bei ihren Freunden in Ellan'Ur.

    Als der Bote schließlich aus Kaelas Blickfeld entschwunden war, schüttelte die Keltin noch ein letztes Mal den Kopf und wandte sich dann der eigentlichen Botschaft zu. Von außen war der Absender nicht zu erkennen, aber das Papier wirkte… edel… und anders als das Pergament, auf dem Kaela ihre Nachrichten zu schreiben pflegte. Vorsichtig brach sie das Siegel und im selben Augenblick strömte ein exotische Duft in ihre Nase. Er erzählte von fernen Ländern, fremden Menschen und weckte ein gewisses Fernweh in ihr. Erinnerungen, an die Länder, die Kaela bereits hatte, stiegen im Geist der Keltin hoch, doch die Neugier, wem sie denn nun diesen Brief zu verdanken hatte, ließen sie wieder in das Hier und Jetzt zurück finden.

    Rasch las sie die Zeilen, die Ben al Habib ihr geschrieben hatte. Ein ums andere Mal musste sie dabei schmunzeln. Offenbar vermochte der Krieger den nördlichen Ländern nicht allzu viel abzugewinnen.
    Doch manch eine Zeile sorgte auch dafür, dass Kaela ihr Stirn in Falten legte. Häscher des Südens… wieder einmal wurde ihr bewusst, dass sie viel zu wenig über das Leben der einzelnen Mitglieder des Blauen Banners wusste. Doch so sehr Kaela sich wünschte, dass es anders wäre, inmitten der Schlachten in der Spiegelwelt blieb dafür oftmals keine Zeit. Doch sie nahm sich fest vor, Ben einmal danach zu fragen, sobald sie ihn das nächste Mal wieder sah. Ob er wohl zum Konvent kommen würde?

    Kaela überflog die Zeilen noch ein zweites Mal und suchte sich dann eine ruhige Ecke, um zumindest eine kurze Antwort zu verfassen. Noch am selben Abend verließ ein weißer Rabe die Feste und schon bald hielt Ben al Habib einen dünnen, schnörkellosen Brief in den Händen, auf dessen blauem Siegel die Wildkatze - Kaelas Krafttier - prangte.

    "Cernunnos zum Gruße, Ben al Habib,
    Zuerst einmal möchte ich Euch die frohe Kunde überbringen, dass ich mir bis jetzt nichts "abgefroren" habe und auch nicht vermute, dass sich daran etwas ändern wird. Ich denke, das mag auch an dem süßen Zeug liegen, dass ich so gern trinke und das sich auch heiß vorzüglich genießen lässt - ganz anders als der herbe Wein, den Ihr bevorzugt.

    Ich gebe zu, ich habe Eure Zeilen mit viel Freude, aber auch mit einer gewissen Sorge gelesen. Ich vermag nicht einzuordnen, was Ihr über die "Häscher des Südens" schreibt, doch würde ich Euch gerne danach fragen, wenn wir uns das nächste Mal sehen. Bis dahin, hoffe ich sehr, dass Ihr gut auf Euch Acht gebt und ich Euch heil und in einem Stück wieder sehe. Ihr seid wahrlich ein zu guter Krieger, als das ihr euch dauerhaft als Händler verdingen solltet, weil ihr einen Arm oder ein Bein verloren habt.

    Ihr schreibt von Gefährten? Ich bin sehr gespannt, wer euch in die Spiegelwelt begleiten wird. Ist denn schon absehbar, wen ihr an Eurer Seite haben werdet? Und werden wir uns wirklich erst am Sammelplatz wieder sehen, oder plant Ihr vielleicht auch einen Besuch des Konvents in Mitraspera? So oder so ist es gut, dass ich nun weiß, wie ich Euch erreichen kann. Ihr habt es offenbar recht gut geschafft, mich zu finden, was durchaus beeindruckend ist, wenn man bedenkt, dass ich keinen Ort habe, an dem ich dauerhaft verweile.

    Ich würde mich sehr freuen, Euch schon vor dem Aufbruch in die Spiegelwelt wieder zu sehen. Gebt gut auf euch Acht, und tut nichts, was ich nicht auch tun würde.

    Möge Cernunnos über Euch wachen.
    Blaues Banner, von Hinten!

    Kaela
    "
    Blaues Banner - Von hinten

  2. #12
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    Frühling in der Hammaburg

    Ben schaut über den Bug des Handelsschiffs auf die Küste, die langsam durch den Dunst sichtbar wird. Es weht ein eisiger Wind von Norden, jedoch überwiegen an der Küste schon die dunkleren Flecken, die anzeigen, dass der Schnee überwiegend schon getaut ist. „Es ist noch eine halbe Tagesreise bis zur Hammaburg. Wir müssen noch weiter Flussaufwärts, aber der Wind steht günstig. Mit etwas Glück erreichen wir den Hafen bei Dämmerung“. Der erste Offizier war hinzugekommen und beobachtete ebenfalls die Küste. „Der Kapitän...“ „...liegt wie immer in seiner Koje und schläft seinen Rausch aus.“ vollendet Ben den Satz. Resigniert nickt der Offizier.
    Ben hatte einige Wochen zuvor nach seinem etwas überstürzten Aufbruch in der Oase die kleine Hafenstadt Distarin erreicht. Er fühlte sich nach den Ereignissen in der Oase nicht wohl und wollte schnellstmöglich Abstand zwischen sich und mögliche Verfolger bringen. Da kam ihm ein offensichtlich betrunkener Kapitän eines kleinen Handelsschiffs gerade recht. Würde der sich doch kaum an etwas erinnern können, falls er gefragt würde. Das Schiff selbst stellte sich als Seelenverkäufer heraus und Ben merkte schnell, dass er selbst mit Hand anlegen musste, wenn er die Reise nicht als Fischfutter beenden wollte. Die Jahre bei den Piraten hatten ihn aber genug gelehrt, so dass er Mannschaft und Offiziere schnell einschätzen konnte. Der Kapitän war die Fahrt über nicht zu sehen. Er zog es offenbar vor sich mit dem Rumfass in seiner Kajüte zu vergnügen.
    Gegen Abend erreicht das Schiff den Hafen der Hammaburg. Ben schultert das Gepäck, nickt dem ersten Offizier zu und geht über die Planke an Land. Nach den Wochen auf See geht er mit dem wiegenden Schritt der Seeleute durch die Stadt. Er braucht nicht lang bis er sich in einer unauffälligen Herberge einquartiert.
    Die Taverne zum tanzenden Einhorn liegt nahe der Stadtmauer und ist ein bunter Sammelplatz für allerlei Reisende und Händler der Stadt. Die Stadtwache scheint es nicht immer einfach zu haben alles unter Kontrolle zu halten. Auch die großen Familien der de la Rocca und der O'Geardy sind in der Taverne ständig vertreten. So ist die Taverne der perfekte platz für Ben, um Informationen einzuholen und seine Gefährten zu treffen. Kaum hatte Ben die Taverne betreten und am Tresen etwas missmutig auf den Met geschimpft, betreten Oliver und Uthred schon den Schankraum.
    Das Wiedersehen ist herzlich, da es allen offenbar gut geht und niemand zu großen Schaden davon getragen hat im vergangenen Winter. Oliver allein scheint es sehr gut gegangen zu sein, trägt er jetzt Samt und Silberknöpfe an seinem Wams. „Ja, der Handel war recht einträglich. Ich kann mich nicht beklagen.“ Mit diesen Worten lädt er die Freunde zu einer Runde Met ein.
    Der Wirt schaut zu Ben, runzelt die Stirn und fragt: „Ihr wart doch vor dem Winter schon mal hier oder?“ „Das könnte sein, aber warum wollt ihr das wissen?“ antwortet Ben vorsichtig. „Kennt ihr dieses Siegel?“ und damit zeigt er auf das Blaue Siegel der Wildkatze. „ Kaela“ entfährt es Ben unwillkürlich. Der Wirt reicht Ben den Brief, der ihn öffnet und mit zusammengekniffenen Augen mustert. Mit einem undefinierbaren Grunzen gibt Ben Oliver den Brief. „Lass hören was sie schreibt“
    Oliver faltet das Pergament auseinander und beginnt laut zu lesen:

    "Cernunnos zum Gruße, Ben al Habib,
    [...]
    Ich würde mich sehr freuen, Euch schon vor dem Aufbruch in die Spiegelwelt wieder zu sehen. Gebt gut auf euch Acht, und tut nichts, was ich nicht auch tun würde.

    Möge Cernunnos über Euch wachen.
    Blaues Banner, von Hinten!

    Kaela"

    IMG_0969.jpg
    Der Abend schreitet voran und es werden die Geschichten und Schalten der vergangenen Monate aufgearbeitet, als ein Mann auf die drei zukommt. Er hält ein kleines Fläschchen ind er Hand in dem offenbar Salz ist. „Gutes Salz und weitere seltene Gewürze für die Herren“ sagt er in der Sprache der Seevölker. Ben zieht die Augenbrauen hoch und betrachtet das Fläschchen als Oliver schon mitten in den Verhandlungen steckt. „Für den Sommerfeldzug“ raunt Oliver und ist schon wieder in seinem Element. Entspannt schaut Ben Oliver beim Handel zu als ihm eine Idee kommt. Er tippt Oliver auf die Schulter „Der Händler scheint weit herumzukommen. Frag ihn mal, ob er auch Schwert und Schilde hat“. Die Antwort des Händlers ist leider nicht wie erhofft, jedoch verspricht er sich umzuhören.
    Etwas enttäuscht erreichen die Gefährten spät am Abend die Herberge und beschließen sich weiter umzuhören. Die nächsten Tage sind geprägt von den Vorbereitungen, die Oliver für den Handel mit dem Salz zu tun hat. Die ersten Salzfläschchen scheinen eine gute Qualität zu haben und so wird der Handel einer kontinuierlichen Salzlieferung abgeschlossen.
    Um den Handel würdig zu beschließen treffen sie sich im Einhorn wieder. Als sie die Taverne betreten ist sie überfüllt wie eh und je. Allerdings scheinen in der Ecke ein paar Gestalten mit Bärten und unbändigen Durst zu sitzen. „Zwerge? Hier in Hammaburg?“ Der Händler ist um keine Erklärung verlegen und grinst verschmitzt. „Es ist der Schmiedemeister der Hammaburg. Ich war so frei und habe sie ebenfalls hier her gerufen. Sie scheinen Interesse an einem Geschäft mit euch zu haben.“
    Die Verhandlungen mit den Zwergen waren unkompliziert, was auch daran lag, dass Oliver wieder gute Geschäfte getätigt hatte und über ausreichend Münzen verfügte, die er für die Waffen und Schilde einsetzen wollte. So wurde ein Vertrag aufgesetzt über 100 Schilde mit Symbol der Feste der Vielfalt, 100 Schwerter und 10.000 Pfeilspitzen, die bis zum Sommerfeldzug von den Zwergen zu schmieden sind.IMG_0970 (2).jpg
    Während der Verhandlungen hört Uthred von Gerüchten aus Tessamar. Dort scheinen neue Aufträge verfügbar zu sein, bei denen gut bezahlt wird.
    Nach Abschluss der Verhandlungen mit den Zwergen gibt es nicht viel was für ein weiteren Aufenthalt in der Hammaburg spricht. Im Gegenteil die Nachrichten aus Tessamar klingen vielversprechend. So schiffen sich Ben und die Gefährten erneut ein, um in Tessamar für klingende Münze ihre Klingen feilzubieten.

  3. #13
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    Der Bote tritt von einem Fuss auf den anderen und schaut dabei mit missbilligendem Gesichtsausdruck erst auf Ben dann auf den Schreiber. "Das Schiff wird nicht warten und der Kapitän wird zur neunten Stunde ablegen".
    Mit eisigem Blick schaut Ben hoch. "Es dauert so lang wie es dauert." Mit Blick auf den Schreiberling der eifrig mit der Feder über das Pergament kratzt: "Habt ihr das?" Ein kurzes Nicken ist die Antwort. Da nimmt Ben das Schreiben und reicht es Nolofin, der abwartend in der Ecke steht. " Stimmt es? Hat er alles so geschrieben?" Seufzend überfliegt Nolofin den Brief. " Ja, alles enthalten. Ein paar kleinere Schreibfehler, aber alles wie versprochen Ich lese es euch noch einmal vor:

    Werte Kaela,

    Eure Nachricht hat mich erreicht und es wärmt mir das Herz von euch zu hören. [dicker Tintenfleck]Es bleiben mir nur wenige Augenblicke bis der Bote, der euch dies Schreiben auf dem Konvent der Siegel übergeben soll, aufbricht. Auch der Schreiber hier scheint es nur auf meinen Silberbeutel abgesehen zu haben. Daher fasse ich mich kurz.

    Aus dem Wissen und der Analyse des vergangenen Sommerfeldzuges haben meine Gefährten und ich einige Anstrengungen unternommen uns militärisch und organisatorisch zu verbessern. Seht es bitte als Vorschlag.

    Zum Einen würden wir euch gern meinen Gürtelwimpel mit diesem Schreiben zur Probe und Beurteilung schicken. Dieser trägt das Wappen der Feste und soll alle Recken der Feste kennzeichnen, auf das wir in der Schlacht und auch darüber hinaus schnell zueinander finden. [unleserlicher Tintenfleck] Bitte schreibt uns, wie euch dieser Vorschlag gefällt, damit wir mehr von diesen Gürtelwimpeln in Auftrag geben können.
    Zum Anderen war im vergangenen Feldzug auffällig, dass bereits nach wenigen Kämpfen Schilde und Schwerter zu neige gingen. Der Tross konnte nur schwerlich den Bedarf an Waffen und Schilden decken. Daher wollen wir den Bestand an Waffen und Schilden mit dem wir die Keliothar betreten erhöhen. Die Zwerge der Hammaburg gaben uns einen Vertrag über 100 Schilde, 100 Schwerter und 10.000 Pfeilspitzen. Die Kosten liegen bei 5 Silber pro Schwert, 5 Silber pro Schild, 4 Silber 3 Kupfer pro 1.000 Pfeilspitzen. Zahlbar bei Abnahme, spätestens jedoch zum Feldzug.

    Ich denke dies ist ein guter Preis und es wird uns militärisch eine enorme Hilfe sein. Ein Rücktritt vom Vertrag werden die Zwerge nicht gern sehen und sich sicherlich auch entlohnen lassen. Aber auch das lässt sich sicherlich verhandeln. Ein Teil des Geldes kann Oliver de Krak aus seinem Handelseinkommen aufbringen, jedoch bitten wir euch, bei allen die uns wohl gesonnen sind und auch bei der Stimme der Vielfalt, um finanzielle Unterstützung zu werben.
    Wir erreichten heute die Hafenstadt Brisk in Tessamar und wollen uns einschiffen nach Amaris. Je nach Lage und Verfügbarkeit von Schiffen könnte ich mich in 2 Monden bereits einschiffen nach Mythodea, um der Wahl des Archon den Nordens, sowie der Kür des Archons des Süden beizuwohnen.
    Sorge dabei habe ich dennoch, da in Tessamar die Aufgaben des Ordens des allsehenden Auges zwar erfüllt wurden, jedoch ein persönlicher Streit zwischen mir und einem üblen Magier namens Mordark nicht beigelegt, sondern eher verschlimmert wurde. Die gute Nachricht zum Schluss: sein Einfluss auf meine Handlungen konnte ich jedoch abschütteln und bin somit wieder vollständig Herr meiner Gedanken. So versuche ich in Amaris Abstand zu Mordrak bekommen.

    Bitte lasst mich die Beschlüsse, die ihr in den kommenden Versammlungen fasst wissen. Gebt auf euch in der Versammlung acht, denn schon so mancher Federkiel war eine tödlich Waffe, auch wenn er nur das Papier kratzte.
    Für Terra: zum Sieg
    Blaues Banner! Von HINTEN!

    Ben al Habi
    b


    Mit den letzten Worten rollt Nolofin der Schriftstück zusammen, verknotet das Band und tropft etwas Wachs darüber. Der Bote bekommt noch die letzten Anweisungen "Und jetzt rennt zum Schiff und übergebt es nur Kaela persönlich."
    Geändert von Ben Al Habib (01.05.2016 um 22:47 Uhr)

  4. #14
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    Der Morgen graut in den verregneten Drachenlanden. Zwischen dem Grau der tiefhängenden Wolken lässt sich ein wenig der Sonne erahnen. Im lichten Wald geht Ben im Marschtempo den Hügel hinab. Auf dem Rücken das Gepäck verschnürt und die Kapuze über den Turban tief in das Gesicht gezogen. Der Regen prasselt jetzt wieder auf ihn herab und die Schlamm verkrusteten Schuhe hinterlassen eine deutliche Spur.
    Am Waldrand hält er kurz inne. Der Blick über die vom ihm liegenden Ländereien ist frei und der Weg zum Hafen scheint sicher. Nur noch wenige Tage bis die Truppen des Sommerfeldzugs sich versammeln werden. So rückt Ben noch einmal das Gepäck auf dem Rücken zurecht und geht entschlossenen Schrittes weiter.

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