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Thema: Ein letztes Stück der Erinnerung

  1. #1
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    Standard Ein letztes Stück der Erinnerung

    Wann: drei Tage nach der Öffnung der Spiegelwelt
    Wo: Erdlager / Freier Lagerbund
    Wer: Vorerst nur Martin Kräuterer und Feuerherz Schattenläufer



    Drei Tage waren nun bereits vergangen, seit das Siegel geöffnet worden war. Seit sich Terra geopfert hatte. Und einen Tag länger war es bereits her, dass die Füchsin ihres Lebens beraubt worden war. Der Schattenläufer der sie immer wieder begleitet hatte und als Bote viel mit ihr zusammen gewesen war hatte sie in der Zeit enger an sich geschlossen und auch als Anführerin hatte er sie zu schätzen gelernt. Entsprechend bitter waren seine Tränen gewesen, als er kaum einen Meter von ihr entfernt gewesen war, als sie aus der Schlacht getragen wurde und die letzten Rettungsversuche scheiterten.
    Nachdenklich saß Feuerherz so in der langsam immer höher steigenden Sonne des frühen Mittags, die auch den letzten Tau aus dem Gras vertrieben hatte und betrachtete das Tuch, das in seinen Händen lag. Es waren einige roten Flecken darauf, die jedoch dunkel und verkrustet wirkten. Es war das Blut der Füchsin, da dies das Tuch war, mit dem man ihren Kopf gereinigt hatte, nachdem man sie in den Garten gebracht hatte. Es war das einzige, was geblieben war, da der Schattenläufer die Füchsin nach der Reinigung nicht mehr gesehen hatte, bevor man sie zur letzten Ruhe gebracht hatte.
    Es war seltsam für ihn. Diese Frau war weder ein Schattenläufer noch gehörte sie zu seinem Rudel und auch definitiv nicht zu seinen Ahnen. Doch trotzdem empfand er das Bedürfnis, sie zu ehren. Nicht ganz wie einen seiner Ahnen, das ging nicht, er kannte ihre Riten nicht einmal und konnte sie so auch nicht fortführen, aber er konnte die Erinnerung an sie wahren.
    Er faste das Tuch in seinen Händen fester. Ja, das wollte er, die Erinnerung wahren. Dabei bemerkte er, wie der Geruch des Blutes in dem Tuch immer schwächer wurde. Seine Sinne waren zwar etwas feiner, doch war es noch immer nur die Nase eines Menschen und seine Wahrnehmung so begrenzt. Mittlerweile konnte er den Geruch gerade noch erahnen, wenn er das Tuch direkt zu seiner Nase hob.
    In den vergangenen Tagen hatte er den Geruch immer wieder in sich aufgesogen und das Tuch, dass er vorher um seinen Kopf gewickelt getragen hatte, nur noch in einem Beutel aufbewahrt.
    Doch es war nicht wie bei Menschen, die Reliquien vergötterten. Es war nicht das Tuch was ihm wichtig war. Sondern die starke Verbindung, die das, was das Tuch in sich trug in seinem Kopf auslöste.
    Doch genau das war mehr und mehr am verblassen... Das wollte er aufhalten, wollte diese Verbindung nicht verlieren. Doch wie sollte er das machen.
    Lange hatte er darüber schon gegrübelt und war dabei alles durchgegangen: Die Heiler im Lazarett hatten viel mit Blut zu tun, doch sie warfen ihre Verbände immer weg... Schienen also kein Wissen oder Interesse daran zu haben. Krieger waren immer wieder Blut verschmiert, doch es war ihr eigenes und das ihrer Feinde und sie wuschen es sich immer wieder ab wie den anderen Dreck der Schlacht. Einzig Magier und Alchemisten hatte Feuerherz gesehen, verwendeten es von Zeit zu Zeit in ihrenRitualen und was sich nicht sonst noch alles an sonderbaren Dingen taten, die Feuerherz nicht verstand. Das war die einzige Personengruppe, die ihm eventuell helfen könnte.
    Und jetzt, wo der Geruch endgültig zu verschwinden drohte gab Feuerherz es auf, eine bessere Lösung zu finden und entschied sich dazu, sich auf etwas einzulassen, was er sicher nicht verstehen würde.
    Mit einem Seufzen stand er auf und tapste mit einigen Schritten seiner großen Pfoten zwei Zelte weiter. Vor dem Zelt, das einem Freund gehörte, den er nun schon zwei Feldzüge lang kannte, blieb er noch einmal stehen und nahm sich zusammen bevor er mit vorsichtiger Stimme, aber laut genug, dass man es im Zelt hören sollte, fragte „Martin?“ und nach einer kurzen Pause noch ein „Du da?“ nachschob und das Tuch in seinen Händen vor die Brust zog.
    Treuer Bote Terras
    Fusselvieh beim
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  2. #2
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    "Hä...? Äh...? Ja, ich da..."
    murmelte Martin abgekämpft, während er sich langsam von seiner Pritsche erhob.
    Ursprünglich hatte er gehofft ein wenig verpassten Schlaf nach zu holen, doch das einzige was ihn gefunden hatte, war eine gründliche Verspannung des Nackens, wesswegen er überhaupt nicht böse über die Störung war.
    Seit Tagen schon hatte der vergleichsweise junge Alchemist nicht mehr ordentlich geschlafen.
    Auf dem Kriegszug selber war einfach viel zu viel zu tun gewesen, um sich ausreichend zu erholen, und der kurz darauf folgende Tod einer seiner engen Freundinnen hatte es bei Terra nicht einfacher gemacht.
    Jeder Tod, egal von wem, war schon schlimm genug. Doch egal wie häufig er ihm auch im Lazarett begegnete, nichts hatte ihn auf den Schmerz vorbereiten können, als sie die Füchsin erwischt hatten.
    Noch immer machte er sich Vorwürfe, wenn er nur wenige Sekunden früher hätte bei ihr sein können... seine Tränke hätten sie retten können, dessen war er sich sicher.
    Fast genau so schlimm war der Tag nach der Beerdigung gewesen. Die Gedanken, die er an diesem Tag gehegt hatte, ließen ihn erschaudern... seine Überlegungen sprachen allem was er vom ewigen Kreislauf wusste entgegen, wären Verrat an Terra selbst gewesen.
    Er hatte sie zusammen mit seinen Tränen heruntergeschluckt, und sich selbst für diese Gedanken gescholten, als er wieder halbwegs bei Sinnen war... Doch dafür, dass sie bald gegen die Urzweifler ziehen würden, verspürte er eine verstörende Menge Zweifel in sich selbst.
    Einer der verstörensten Aspekte daran, Alchemist zu sein, waren die Geheimnisse über Leben und Tod, die man hierdurch früher oder später gewann. Die Tatsache, dass sich Martin auf den Erhalt von Leben, und vertreibung von Tod spezialisiert hatte, hatte nicht unbedingt dazu beigetragen, sich weniger mit dem Thema zu beschäftigen.

    Noch einmal atmete Martin schwer durch, um seine Gedanken zu klären, während Schattenläufer von einem Fuß auf den anderen tretend im offenen Zelteingang wartete.
    Martin hatte diese ganze innere Disskussion schon lange entschieden, und er würde seinen Entschluss nicht noch einmal überdenken. Das war er der Füchsin und Terra schuldig.
    Wie gern wäre er einer der Leute, die ihren Kummer einfach im Met ertränken konnten, doch Martin schauderte bei dem Gedanken daran, was ein betrunkener Alchemist unbeabsichtigt für Unheil zusammenbrauen könnte... wortwörtlich.

    "Entschuldige Feuerherz..."
    brummte Martin, und schüttelte den schmerzenden Kopf, wärend er aus dem Zelt heraus in die heiße Abendsonne trat.
    Beiläufig holte er den Wasserschlauch hervor und leerte ihn zur Hälfte ehe er ihn seinem Kameraden anbot.
    "Was kann ich tun? Ist eine neue Krankheit ausgebrochen? Braucht jemand einen Heiler?"
    fragte er Schattenläufer, wärend er ihm den Schlauch hinhielt.
    Ein wenig Arbeit käme ihm im Moment wirklich gelegen, alles war besser als brütend im Zelt zu liegen.
    "Nein? Dann vielleicht Heiltränke für dich selber?"
    überlegte er, als er den blutdurchtränkten Verband bemerkte, den Schattenläufer vor seinen Körper presste.
    Das dieses Blut schon lange getrocknet war, konnte er in dem schlechten Licht gerade nicht ausmachen.
    Martin Kräuterer, Glückskind Terras
    2008 - 2016 Erdlager/ Feste der Vielfalt
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  3. #3
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    Den Wasserschlauch nahm Feuerherz mit der rechten Hand und einem halblauten „Danken“ an, während die linke Hand unverändert das Tuch festhielt.
    Er trank schnell einige Schlucke, bevor er ihn Martin zurückreichte.
    Bei den Fragen, ob es um Krankheiten oder dergleichen ginge schüttelte er langsam den Kopf und überlegte, wie er sein Anliegen überhaupt hervorbringen sollte.
    „Nicht heilen.“ finge er dann mit einer Mischung aus einer bedrückten und nervösen Stimme an. „Du ... Du Alchemist. Du heilen Wunden. Das ...“ er schaute auf das Tuch und senkte zögerlich die linke Hand, womit er es zwischen sie beide hielt. „Das wichtig. Das ... Füchsin.“ er machte eine kurze Pause und senkte leicht den Blick. „Aber Geruch ... Blut vergehen. Du können aufhalten? Zu halten Erinnerung.“
    Treuer Bote Terras
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  4. #4
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    Für eine unendlich scheinende Weile blieb der junge Alchmist stumm.
    Mit neuen Augen betrachtete er das blutdurchtränkte Tuch, welches Feuerherz in seiner Hand hielt.
    Das Blut der Füchsin...
    Eine Mischung aus Trauer, Melancholie und Furcht erfüllte Martin, während er sich der Frage seines Kameraden bewusst wurde.
    Mit einem entschiedenen Gedanken schalt er sich selbst, für all die faulen Einflüsterungen, die sein vor Trauer geladenes Hirn ihm in den Kopf setzte. Dies war ein Anliegen seines Freundes, und ein ungeheuer wichtiges. Nicht nur für ihn, sondern auch für Martin selber, wie er langsam erkannte.
    "Ich werde tun was ich kann."
    sprach Martin schließlich, den Hals ein wenig rau.
    "Ach, vergiss was ich sagte: Ich werde es schaffen!"
    verstärkte er seine zaghaften Worte nach kurzem Zögern. Mit schnellen Schritten trat er zurück ins Zelt, und zerrte eine hölzerne Truhe unter seinem fellbehangenen Lager hervor. Schwer wog sie in seinen Händen, als er sie zur Feuerstelle unter dem Sonnensegel schleppte, und er musste sich anstrengen, um sie sanft abzusetzen anstatt sie donnernd zu Boden gehen zu lassen.
    Mit geübten Griffen zog der Alchemist den Schlüssel hervor, welcher an einem Lederband um seinen Hals hing, und öffnete das kleine aber filigran gefertigte Schloss, welches die Truhe versperrte.
    Nachdem er das Schloss entfernt, und vorsichtig beiseite gelegt hatte, schwang er den schweren, hölzernen Deckel auf, und blickte auf eng stehende Reihen von dickwandigen Glasbehältern, bis unter den Rand gefüllt mit Reagenzien verschiedenster Art.
    Vorsichtig ergriff er zwei Lederschlaufen, welche an den äußersten Seiten des Zwischenbodens seiner Truhe befestigt waren, und hob das obere Segment mit all seinem Glas und seiner Last heraus. Vorsichtig stellte er es neben seinen Knien ab, und griff in die nun freigelegte untere Etage, aus der er seine metallenen und steinernen Untensilien, Mörser, Sieb und Kessel, hervor kramte, um die richtigen Werkzeuge für seine Aufgabe beiseite zu legen.
    "Wenn ich dich recht verstehe, so willst du ihren Geruch auch weiter noch riechen können... um ihrer zu erinnern..."
    murmelte Martin halblaut, während er das kleine Flecken Erde vor der Feuerstelle in ein behelfsmäßiges Labor verwandelte.
    Vorsichtig setzte er den doppelten Boden seiner Alchemistenkiste wieder ein, wobei er sehr vorsichtig war und versuchte die kleinen mit immer-flüssigen Blut gefüllte Phiolen nicht zu beachten, welche gut zwischen den Kräutern und geriebenen Steinen versteckt waren. Martin hütete mehr als eine Blutprobe ihm ans Herz gewachsener Freunde, und die illustre Art seiner Bekanntschaften hatte ihm darin Proben gegeben, für die ein anderer Alchemist getötet hätte. Martin jedoch hatte nicht vor, das Vertrauen, dass in ihn gesetzt worden war zu enttäuschen. Und so sehr das Blut der Füchsin ihn auch in Versuchung führte, so sehr war es ihm wichtig, auch dieses Mal standhaft zu bleiben, und sich solchen Vertrauens als würdig zu erweisen.
    Martin holte einmal tief Luft, um sich von diesen düsteren gedanken zu reißen, und machte sich mit erneuter Kraft und erheblich leichterem Gewissen daran, seine kleine improvisierte Alchemistenstube für die Benutzung vorzubereiten.
    "Es gibt mehrere Wege, dies zu bewerkstelligen... möchtest du das Tuch so erhalten wie es ist, oder reicht dir ein Pulver in einer Phiole?"
    fragte Martin, sein Geist auf die vor ihm liegende Aufgabe gerichtet. Seine Zweifel und Selbstverachtung ersetzend durch den ehrlichen Eifer, der ihn immer befiehl wenn er ein schwieriges alchemisches Werk begann, und aufkeimenden Stolz. Stolz darüber, dass sein Freund ihn aufgesucht hatte, um diese Aufgabe zu übernehmen. Stolz darüber, dass er der Füchsin noch eine letzte Ehre erweisen konnte. Stolz, dass er selbst seiner Versuchung nicht erlegen war.
    Martin Kräuterer, Glückskind Terras
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  5. #5
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    Martins Reaktion nach schien Feuerherz Hoffnungen nicht ungerechtfertigt gewesen zu sein.
    Zwar wurde Feuerherz bei dem Schweigen nervös, weil er Sorge hatte, etwas falsches gesagt zu haben, doch gerade die nachgeschobene zweite Satz erleichterte den Schattenläufer.
    Er scheute interessiert, wenn auch leicht gedankenverloren zu, während Martin seine Ausrüstung unter dem Sonnensegel ausbreitete. Immer wieder machte er Schritte zurück oder zur Seite, um dem anderen nicht im Weg zu sein. Dabei schalte er sich in Gedanken selbst dafür, erst jetzt zu Martin gegangen zu sein. Hoffentlich würde noch funktionieren, worum er den anderen gebeten hatte. Sicher wäre es besser gegangen, wäre das Blut noch frischer und er sofort zu dem Alchemisten gegangen. Hoffentlich hatte er es seinem Freund jetzt nicht zu schwer gemacht. Doch solange das Tuch noch seinen vollen Geruch gehabt hatte, hatte er noch keine Gedanken an so etwas gehabt, da es einige andere Sorgen gab, die sich in seinem Kopf umhergetrieben hatten.
    Erst die Fragen des Alchemisten rissen ihn aus den Gedanken.
    Für einen Moment stand er wie versteinert da und legte die Stirn grübelnd in Falten. „Geruch Erinnerung. Richtig. Tuch...“ er legte den Kopf schief und streckte langsam den Arm, um Martin das braune Leinentuch zu reichen. „Tuch nicht wichtig. Wichtig in Tuch. Erinnerung.“ Doch es war nicht einfach irgendeine Erinnerung, das spürte er tief in sich. Es war nicht einfach ein Stein oder ein Stock, der irgendwo gelegen hatte. Und kein Gemälde, wie sie Menschen teilweise malten, um Erinnerungen an bestimmte Dinge festzuhalten. „Teil von ihr.“, sprach er diese Gedanken so auch aus, auch, wenn sie leise waren, da sie es nur halb seinen Hals hinauf schafften. „Den ...“ er suchte kurz nach dem Wort, bevor er es unsicher aussprach „bewahren.“
    Ja, das war das Wort, das beschrieb was er empfand. Das war das, was er als das beste empfand, was er noch für die Kommandantin tun konnte. Was er tun konnte, da ihm Martin helfen würde.
    Bei diesem Gedanken kam auch noch ein ganz anderes Gefühl in Feuerherz auf. Er fühlte sich dankbar für die Freunde, die ihm halfen.
    Treuer Bote Terras
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  6. #6
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    Martin nickte langsam. In seinem Kopf wirbelten die verschiedensten alchemischen Prozesse, mit denen er bewerkstelligen könnte, was sein Freund von ihm erbat. Für einen Moment zwang er sich, das Problem rein praktisch zu betrachten ohne seine Gefühle für die Person die es repräsentierte zu beherzigen.
    Das Blut, welches er konservieren sollte war für die meisten Prozeduren zu alt, es war bereits eingetrocknet und das erschien eher schwarz als rot.
    Er könnte es in einer Alraun-Thiosulfinat Lösung auflösen um es zu konservieren, doch das würde den Geruch vernichten...
    Vielleicht über einen Trauernuss-Extrakt und einiges an Wasser wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurück versetzen, und in eine Phiole sperren?
    Nein, denn dann müsste die Phiole bis zur Nutzung verschlossen bleiben, und Feuerherz würde nicht in der Lage sein, am Blut zu riechen ohne es sofort wieder dem Alterungsprozess auszusetzen.
    Vielleicht das Tuch selber mit Krallenhand-Entzug versteifen? Nein, viel zu unpraktisch...
    Das Blut vorsichtig abschaben, mit Salz vermischen, das Restwasser entziehen und mit Dauernieß zu Pulver zerreiben?
    Das würde es konservieren und den Geruch erhalten, aber ein kleines Häufchen roter Staub in einer Phiole erschien so... respektlos.
    Vielleicht das Blut kristalisieren? Durchaus eine denkbare Methode, doch die richtigen Mittel dazu hatte er nicht hier.
    Er könnte einen Magier um Hilfe bitten... andererseits wäre das dann Eis-Magie, was hier auf Mythodea immer ein grenzwertiges Thema war...
    Dann kam ihm eine Idee.

    "Das könnte funktionieren..."
    murmelte Martin bei sich selbst.
    "Das würde ihr gefallen... glaube ich... "
    schnell machte sich der junge Alchemist daran, die entsprechenden Sachen aus seiner Kiste zusammen zu suchen.
    "Feuerherz, hast du Deirdree in letzter Zeit hier im Lager gesehen? Ich bräuchte eine Kleinigkeit aus Terras Garten für diese Methode... ach, vergiss es, wir haben keine Zeit lange zu suchen, das Blut muss so schnell wie möglich verarbeitet werden."
    Mitten im Satz war der Alchemist auf die Beine gesprungen, und verließ mit schnellen Schritten den Zeltkreis des freien Lagerbundes. Ein schillernder Funke war in seinen Augen zu sehen, wo er sich endlich auf eine Möglichkeit eingependelt hatte.

    Der Freie Lagerbund hatte genau am großen Platz des Lagers seine Zelte aufgeschlagen, und so reichten ein paar weit ausholende Schritte aus, um am Zentrum, dem großartigen Garten Terras anzukommen.
    Martin kniete vor der Stelle nieder, an dem der Avatar Terras selbst den Leichnahm der Füchsin in die Erde hatte versinken lassen. Der junge Alchemist und Heiler schluckte schwer, als die Gefühle der Trauer und des Versagens erneut in ihm hochstiegen, und er sprach ein kurzes Gebet zu Terra und der Füchsin selbst, in dem er sein Vorhaben darlegte, und um ihren Segen bat.
    Als er geendet hatte, entnahm er eine kleine Hand voll Erde von der Stelle, dankte Terra und eilte zu seinem Lager zurück.
    Vorsichtig legte er die feine Erde in den Mörser, und begann sie zu sehr feinem Staub zu zerreiben.
    Kurz blickte er zu Feuerherz auf, und bot ihm an, selber den Mörser zu benutzen, wenn er ihm bei dieser Aufgabe helfen wollte.
    Im Kessel setzte der Alchemist eine Lösung aus frischem Quellwasser und einigen heimischen Kräutern an, welche das Blut aus dem Verband lösen sollten.
    Als dieses abgekühlt war, spannte er den Verband über seinen Ersatzkessel, und begann Tropfen für Tropfen, die Lösung darauf zu tröpfeln, sodass das Blut sich vom Gewebe löste, und als rote Flüssigkeit in den Kessel tropfte.
    Dann fachte Martin das Feuer unter seinem kleinen Kessel an, bis die rote Flüssigkeit begann zu kochen und einzudicken.
    Feuerherz sah sich das ganze ein wenig besorgt an, und Martin gab ihm sein bestes, wie er hoffte aufmunterndes, Lächeln. Er beschloss für sich zu behalten, dass er soetwas in dieser Form bisher auch noch nie versucht hatte.
    Als die Flüssigkeit deutlich eingedickt war holte Martin schnell den Kessel vom Feuer, und winkte Feuerherz, die feine Tonerde aus Terras Garten hinzu zu geben.
    Während dieser seiner Bitte nachkam griff Martin tief in seine Kiste, und holte ein braunes Pulver heraus, welches er vor drei Jahren von den Zwergen erhalten hatte.
    Schnell Mischte der Alchemist die drei Zutaten zusammen, und beobachtete, wie sich die Mischung zu einer Art blutroten Tons entwickelte. Schnell griff er in den Kessel hinein, und holte den Klumpen roten Materials heraus (wobei er sich kräftig die Finger verbrannte).
    Schnell begann er mit seinen Wunden Fingern das Material zu kneten, und formte einen blutroten Fuchskopf heraus, das Zeichen, welches das Grab der Füchsin schmückte als Vorbild nehmend.
    "Jetzt der entscheidende Schritt..."
    murmelte Martin aufgeregt, und griff nach dem silbernen Behältnis, welches normalerweise die Flamme unter seinem Kessel enthielt. Er legte das Symbol der Füchsin hinein, griff nach der Zange und legte es inmitten des Lagerfeuers.
    "Es ist ein wenig wie eine Glasschmelze... äh, denk an Tonbrennen."
    versuchte er seinem Freund zu erklähren, welcher aber mit den Begriffen wohl nicht viel anfangen konnte.
    Nach einiger Zeit scharfer Beobachtung holte Martin den geschwärzten Behälter wieder aus dem Feuer, und lies ihn langsam abkühlen.
    Im Inneren lag ein kleiner roter Stein, geformt wie das Fuchssymbol ihrer verstorbenen gemeinsamen Freundin.
    "Hier Feuerherz..."
    murmelte Martin, und reichte den Stein an seinen Freund weiter.
    "Dieser Stein wird ihren Geruch nie verlieren, und nie verderben.
    Wenn du willst zeige ich dir, wie man ihn bearbeiten kann, aber abgesehen von wissender Menschenhand wird er die Zeiten überdauern."
    Mit leicht zitternden Fingern und rasendem Herzen wartete er auf eine Reaktion oder Antwort von seinem Freund.
    Er hoffte, dass es ihm gefallen würde, und dankte Terra, das bei dem Vorgang nichts schief gegangen war.
    Martin Kräuterer, Glückskind Terras
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  7. #7
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    Mit Zurüchaltung hatte Feuerherz das Tun des Alchemisten beobachtet und nur geholfen, wo es ihm möglich war.
    Leicht besorgt schaute er Martin an, als dieser ihm zitternd das Ergebnis des Prozesses überreichte. Zaghaft griff er danach, da es seinen Freund einige gekostet zu haben schient, ihm bei dieser Bitte zu helfen. Sobald er ihn jedoch in der Hand hatte schnupperte er sofort einmal daran, fand den Geruch wieder und sog ihn noch einmal ganz tief ein.
    „Danken“ platze es aus ihm heraus und es fiel offen sichtbar ein riesiger Stein von seinem Herzen.
    Feuerherz blickte zwischen dem steinernen Fuchskopf und dem Alchemisten hin und her und wusste nicht recht, was er sagen sollte, während er hin und her gerissen war, zwischen der Dankbarkeit, die er seinem Freund gegenüber verspürte, der Erleichterung, dass die Erinnerung nicht verloren gehen würden und dann allerdings auch dem bitteren Geschmack dieser Erinnerungen selbst.
    Nach einem Moment der Unentschlossenheit drückte er dann jedoch den Blutstein mit einer Hand an seine Brust und drückte mit der anderen seinen Freund kurz an sich. Er fand keinen Weg, seine Dankbarkeit in Worte zu fassen, weshalb er keinen anderen Weg sah, diese Verbundenheit auszudrücken.
    Schnell ließ er jedoch wieder wieder los und schaute den anderen vorsichtig an, da er nicht wusste, wie er es auffassen würde. Er war ein Freund, aber trotz allem noch ein Mensch, die er nicht immer ganz verstand.
    „Danken“ wiederholte er sich so. „Stein sehr gut. Halten fest.“ Er schaute den Stein erneut an. „Dir...“ stammelte das Wolfswesen unsicher. „Was dir geben? Dir können helfen?“ Sein Blick huschte über alles, was der Alchemist aufgeboten hatte und er fragte sich, was er tun könnte, um seinem Freund den großen Gefallen, den er ihm getan hatte, zu erwidern.
    Treuer Bote Terras
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